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Protagonisteninterview Julie Warass

25. Juni 2017
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Hallo meine Lieben 💕

Wir sind heute leider schon am letzten Tag unserer Blogtour '99 Tage mit Julie' angekommen. Die Zeit vergeht immer wie im Flug, aber ich hab noch was Tolles für euch 😍

Ich habe nicht nur Paul interviewt, sondern auch Julie.
Auch das Gespräch mit Julie war sehrt nett und ich hab sie sofort ins Herz geschlossen. Über was wir geplaudert haben, fragt ihr euch?😉

Das werde ich euch nun zeigen.
Viel Spaß 😘😘



Da ich ja schon in der ‚Hütte‘, die überhaupt nicht als solches bezeichnet werden kann, bin, wo ich mich gerade doch sehr nett mit Paul unterhalten habe, habe ich es nicht mehr weit. Ich muss nur noch den restlichen Berg hinauf zu dieser Käse-Alm, in der Julie schon auf mich wartet.

Zuerst wollte ich ja beide Zusammen interviewen, aber ich finde die Sicht aus beiden Perspektiven zu erfahren, auch sehr spannend und deshalb habe ich mich dazu entschlossen, sie getrennt voneinander zu befragen.
Dennis wartet, wie versprochen, schon draußen auf mich. Als er mich sieht lächelt er sofort wieder und versprüht damit seinen ‚Unschuldiger-Junge ’Charme. Wieder öffnet er mir die Tür und als wir los fahren, versucht er mich diskret über das Interview auszuquetschen, aber ich erzähle ihm nur so viel, dass seine Neugierde noch größer wird. Ja, das kann ich gut. Es dauert nicht lange und wir sind auch schon oben angekommen. Ich bedanke mich bei ihm und steige diesmal alleine aus. Ich bin ja hier nicht auf einem Date, dass er mir ständig die Tür aufhalten muss. Ein wenig schmeichelt es mir trotzdem.
Allgaeu-Startbild-ShutterstockVor der Tür entdecke ich Julie, die ihr Gesicht in die Sonne hält und ihre Augen geschlossen hat. Ich gehe auf sie zu und bleibe direkt vor ihr stehen, sodass mein Körper einen Schatten auf sie wirft und sie ihre Lider öffnet. „Hallo Julie“, sage ich lächelnd.
„Pat. Ich war schon wieder am Einschlafen. Passiert mir hier dauernd.“ Julie richtet sich auf und lacht, und sofort hat sie mich für sich eingenommen. „Schön, dich kennenzulernen.“
„Gleichfalls.“ Ich nehme neben ihr Platz.
„Hast du Lust auf Käse? Die machen hier den besten, den ich je gegessen habe.“ Sie zeigt völlig überflüssigerweise auf die Platte, die vor ihr steht.
Ich nicke und schaue mich um. Die Landschaft ist einfach traumhaft.
„Schön hier, was? Leider haben wir kaum was gesehen, außer unseren vier Wänden. Nun ja, wir waren ja auch zum Arbeiten hier.“
„Ich weiß nicht, ob ich mich hier auf die Arbeit konzentrieren könnte.“ Das ist mir rausgerutscht, aber Julie grinst.
„Es war gar nicht so schwer. Erstens hat es die meiste Zeit geregnet, und zweitens wollten wir beide das Projekt möglichst schnell abschließen.“ Sie errötet leicht.
„Ich hätte eher vermutet, dass ihr es ein wenig hinauszögern würdet.“ Mist. Ich fürchte, ich stehe noch unter Pauls Einfluss, das zu sagen, was ich wirklich denke, und nicht das, was ich sagen soll.
„Bestimmt nicht. Es ist ohne Frage sehr komfortabel, aber das alleine ist nicht alles.“ Sie sieht einen Moment hinunter ins Tal. Als sie den Blick wieder mir zuwendet, sieht sie anders aus. Konzentrierter.
„Und unter uns, ein Buch, das muss fließen. Wenn man zu lange daran herumschreibt, kommt in der Regel nichts dabei raus. Das ist zumindest meine Erfahrung. Die Geschichte muss aus dir raus sprudeln, dann ist sie flüssig und stimmig. Es wäre also nicht gut, wenn wir hier Monate gebraucht hätten.“

unsere-beruhmte-kaseplatte„Bei euch scheint es gesprudelt zu sein. Ist es nicht schwierig, zu zweit im gleichen Tempo zu arbeiten?“
„Schwierig?“ Julie lacht schon wieder. „Schwierig ist noch untertrieben. Wir brauchten eine Weile, um uns an die Arbeitsweise des anderen zu gewöhnen. Aber letztendlich hat es geklappt.“
"Mir wäre da sicher auch etwas Anderes eingefallen, um die Regentage gut zu füllen. Und ich meine nicht die Arbeit." Ich sehe Julie verschwörerisch an. "Ich meine, wenn ich mir Paul so ansehe. Er ist ja ein sehr attraktiver Mann und Charme hat er definitiv!“ Mein Kopfkino springt sofort an und ich versuche mit einem Kopfschütteln meine nicht jugendfreien Gedanken zu vertreiben.
Auch Julie scheint mit dem Kopfkino zu kämpfen, denn sie errötet prompt. „Paul ist ganz sicher ein sehr charmanter Mann, wenn er will. Und ja, ganz attraktiv, wenn man auf diesen Typ Mann steht. Aber wir waren ja als Partner hier, also, als Schreibpartner, nichts anderes. Ich meine, wir sind Profis, und als solche ist es dir egal, wie jemand aussieht. Oder riecht. Oder ob er Sachen sagt, die dir eine Gänsehaut machen. Oder dich abends um den Schlaf bringen. Nein, wir sind nur Kollegen.“ Sie räuspert sich, dann grinst sie plötzlich. „Ganz unter uns: Paul hat so etwas, das mich immer wieder zur Weißglut treibt. Ich meine, er scheint genau zu wissen, was er sagen muss, damit ich mich aufrege. Aber inzwischen habe ich ein wenig Übung darin, ihn auch mal aus der Reserve zu locken.“ Sie sieht plötzlich aus wie ein kleiner Kobold, und ihre Wangen beginnen zu glühen. „Nicht das es wichtig wäre. Wie gesagt, wir sind ja nur Kollegen.“
Ich muss auch grinsen. Dieses Ausdruck habe ich schon auf den Gesichtern von vielen Freundinnen gesehen, die ebenso ernsthaft versicherten, dass sie nur Freunde wären. Aber ich kann Julie verstehen. Und ich beschließe spontan, sie zu erlösen, denn sie hat mir schon genug verraten, ohne es zu wollen.
"Dennis ist ja auch ein Schnuckelchen. Hatte er gar keinen Reiz auf dich?", frage ich Julie und nehme mir gleichzeitig etwas von dem Käse, welchen ich mir in den Mund schiebe und genüsslich die Augen schließe. "Der ist wirklich hervorragend. Ich sollte mir etwas einpacken lassen."
„Käse oder Dennis? Einpacken, meine ich?“ Jetzt kichert sie wieder. „Also zu Dennis kann ich nur sagen: du solltest ihn mal in einem nassen Shirt sehen. Wir hatten hier ja diesen Dauerregen, und er stand ständig völlig durchnässt vor unserer Tür. Das waren ganz eindeutig die Lichtblicke der ersten Tage.“ Sie räuspert sich. „Und natürlich ist er auch furchtbar nett. Sehr charmant und so. Ich muss zugeben, sein Charme und seine Aufmerksamkeiten haben mich nicht ganz kalt gelassen. Und er war wirklich fürsorglich. Das mag ich sehr bei einem Mann. Nicht immer nur diese Macho-Masche, weißt du, was ich meine?“
Ich nicke langsam. „Ja, ich glaube, ich verstehe völlig, was du meinst. Dennis scheint so unbeschwert, man kann sich gar nicht vorstellen, dass er schlechte Laune hat.“
„Genau das meine ich. Es ist einfach mit ihm. Er ist nicht kompliziert. Und so jung.“ Wieder lacht sie. „Er ist in diesem Alter, in dem man noch denkt, die ganze Welt gehört dir, oder kann dir gehören, du musst sie dir nur nehmen. Aber auf eine unbeschwerte Art. Das ist sehr anziehend ...“

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Einen Moment schweigen wir beide und denken wahrscheinlich auch das Gleiche. „Ich sollte dich beneiden.“ Ich sehe Julie an. „Mit diesen beiden Männern, du hattest bestimmt die Zeit deines Lebens.“
„Glaub mir, nicht nur. Ich hatte auch genug Momente, in denen ich mich fragte, ob sich das alles lohnt. Aber dann habe ich darüber nachgedacht, welche Chance sich mir bietet, und beschlossen, durchzuhalten. Und es hat sich definitiv gelohnt.“ Sie greift nach einem Bleistift und beginnt, ihn in den Fingern zu drehen. Der Bleistift sieht aus, als gehöre er einem Schulkind, mit einem zerkauten Ende. Ganz langsam bewegt sich der Stift auf ihren Mund zu, und sie beginnt, noch mehr Kauspuren darauf zu hinterlassen. Dann hört sie auf zu kauen, aber der Bleistift ist noch immer in ihrem Mund. Ich beobachte fasziniert, was Julie mit einem unschuldigen Stift alles anstellt, ohne es zu bemerken.
„Ich meine, ein Vertrag. Übersetzungen, gerade auch im englischsprachigen Raum. Das ist eine Riesenchance. Dafür nimmt man auch ein paar Unannehmlichkeiten in Kauf.“ Sie sieht mich an, und ich verziehe mein Gesicht.
„Ziemlich heiße Unannehmlichkeiten, wenn ich das so sagen darf.“
„Hm.“ Wieder räuspert sie sich. Dann legt sie langsam den Stift zur Seite.
„Ist das deine Methode, dich zu konzentrieren?“ Ich zeige auf das Schreibgerät. „Stifte zerkauen und so?“
„Ich fürchte ja. Und weißt du was? Das war mir nie klar. Ich habe es einfach gemacht, ohne es zu bemerken. Erst Paul hat mich darauf aufmerksam gemacht. Er hat sie vor mir versteckt.“ Sie klingt fast empört.
Ich überlege kurz. Wenn Julie auf genau die Art auf dem Stift rumgekaut hat, wenn sie alleine mit ihm auf dieser Hütte saß, eingeschlossen durch die Einsamkeit und den Regen, dann wundert es mich nicht, dass er das gemacht hat. Sogar mein Kopfkino ist angesprungen, wie ist das dann erst bei einem Mann?
„Nun ja, vielleicht hat es ihn nervös gemacht.“ Ich grinse, und Julie errötet schon wieder.
„Nervös? Ein Bleistift?“
Ich nehme mir das letzte Stück Käse und belasse es dabei. Das soll ihr mal lieber ein anderer erklären. Paul zum Beispiel.
Ich bestelle mir eine Käseplatte zum Mitnehmen und während ich darauf warte, habe ich noch eine Frage, die mir schon seit Anfang unseres Gespräches im Kopf rum schwirrt. „Ich hätte noch eine letzte Frage an dich. Wenn du etwas anders machen könntest während der Zeit mit Paul in der Hütte, was wäre das?“ Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, denn es könnten mehrere Dinge sein oder auch nichts.
„Etwas anderes?“ Julie sieht mich überrascht an. „Ich verstehe nicht ganz, was du meinst? Stricken? Kochen?“ Sie lacht unsicher. „Oder meinst du …?“ Sie wird rot und greift wieder nach ihrem Bleistift.

allgau-5„Irgend etwas anderes.“ Ich versuche, nicht auf den Bleistift zu sehen. „Stell dir vor, diese Zeit hier wäre wirklich abseits des normalen Lebens. Nur du und er und die Hütte. So eine Art Luftblase, die zerplatzt und verschwindet, sobald ihr wieder wegfahrt.“
„Oh.“ Julie starrt einen Moment durch mich hindurch. „Du meinst, man könnte alles tun, ohne dass es Konsequenzen hat? Ich könnte ihn umbringen, weil er mich zur Weißglut treibt, oder aber ...“
„So ähnlich. Du könntest natürlich einfach auch stricken.“ Ich muss zugeben, damit hatte ich nicht gerechnet, und plötzlich habe ich etwas Angst vor ihrer Antwort.
„Ich könnte also Dennis nachgeben? Ich könnte eine eigene Liste anfangen?“
„Nun, ja.“
„Und ich könnte einfach sagen, Paul ist schon ein ganz netter Kerl, und es wäre eine Schande, die ganzen Felle und Kaminfeuer und Kissen und so zu vergeuden?“
„Ähem … Ja.“
„Und einfach ausprobieren, ob Paul wirklich so cool ist, wenn ich, sagen wir, ein wenig entspannter wäre? Und ob er mich wirklich für so eine verklemmte Schriftstellerin hält, die nur einen einzigen Mann hatte?“
„Ich glaube nicht, dass er dich für verklemmt hält ...“
„Ich könnte also die ganze Jamie und Lena-Sache sozusagen hautnah recherchieren? Mir keine Gedanken um Morgen machen und einfach ein wenig Spaß mit ihm haben?“
„Ja. Würdest du das wollen?“ Ich halte automatisch den Atem an.
Wieder starrt Julie einen Moment vor sich hin. Dann sieht sie mich an und lächelt. „Nein. Nein, ich würde nichts davon tun. Weil es nicht zu mir passt. Weil ich eben nicht so bin. Ich kann das nicht, und ich will es gar nicht können. Die Antwort auf deine Frage ist, das einzige, was ich wirklich hier auf der Hütte tun wollte war, ein gutes Buch schreiben. Und das haben wir gemacht. Wir sind zu einem Team geworden, und manchmal fast zu Freunden.“
Ihr Lächeln ist jetzt so süß, dass ich sie am liebsten in den Arm nehmen würde, und ich verstehe, was sie sagen will. Das ist Julie, und das ist ihre Magie, ihr Zauber, den nicht nur ich wahrnehme, da bin ich mir sicher.





Julie ist eine tolle Person oder? Man muss sie einfach gern haben. Aber ich bin ja gespannt, was mich in einem Jahr erwarten wird und ob Paul sie bis dahin auf ihren Bleistift angesprochen hat 😉
Mir hat es sehr viel Spaß gemacht und ich hoffe euch auch.




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